Tiere und Menschen – Grenzauslotungen zwischen Früher Neuzeit und Gegenwart

jeudi, 4. février
15:30 à 18:00 heures
Salle 105

Die Abgrenzung zum Tier stellt ein essentielles Moment menschlicher Selbstdefinition dar. Trotz ihrer konstitutiven Bedeutung ist die Tier-Mensch-Differenz in ihrem historischen Wandel und ihrer Verflechtung mit anderen gesellschaftlichen Differenzierungen bisher jedoch nur unzureichend untersucht worden. Ziel des geplanten Panels ist es, anhand von Fallstudien zur Tier-Mensch-Beziehung von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart nach den historisch-spezifischen Artikulationen und Auslotungen der Grenze zwischen Natur und Kultur sowie zwischen Subjekten und Objekten zu fragen – und damit auch nach den Grenz(ziehung)en der Geschichtswissenschaft selbst.
Nicht nur die kulturhistorisch inspirierte Umwelt- oder Geschlechtergeschichte zeigt, wie stark Natur und Kultur miteinander verschränkt und aufeinander bezogen wurden. Dieses enge Verwobensein von Natur und Kultur kommt vor allem zum Ausdruck, wenn man die Tierwelt in den Fokus nimmt. Denn Hunde oder Katzen, aber auch Menschenaffen und (andere) Zootiere sind weder der Kategorie Natur noch der Kategorie Kultur eindeutig zuzuordnen, vielmehr existieren sie in einem Zwischenbereich, den es zu analysieren gilt. Sie sind Teil der Natur, haben sich aber innerhalb der menschlichen Gesellschaft stark verändert und diese wiederum massgeblich mitgeprägt. Um dieser engen Verbindung zwischen Tieren und Menschen in der Geschichte gerecht werden zu können, darf man Tiere nicht als reine Instinktwesen oder Menschen als reine Kulturwesen fassen. Weiter muss der fragliche Subjektstatus von Menschen und Tieren historisch kontextualisiert und auf seine Wandelbarkeit hin befragt werden. Denn Subjektivität ist nicht als natürlicher Ausgangspunkt menschlicher Existenz zu verstehen, sondern als Effekt sozialer Konstruktionen, diskursiver und nicht-diskursiver Praktiken. In dieser Perspektive kommt auch die Frage nach dem Subjektstatus von Tieren in den Fokus, und zwar insbesondere von solchen Tieren, die in einer engeren Beziehung zu Menschen leben und in deren Kommunikation auf unterschiedliche Weise einbezogen sind.

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