Visualisierungen des Unsichtbaren. Entstehung und Verdichtung politischer Grenzziehungen im europäischen Spätmittelalter

Samstag, 6. Februar
10:30 bis 13:00 Uhr
Raum 210

Grenzen sind unsichtbar: Gerade im Mittelalter treten politische Grenzziehungen selten so sinnfällig in Erscheinung wie moderne Staatsgrenzen. Und doch stellen die unsichtbaren Grenzen in der Vormoderne wichtige und wirksame Faktoren dar, die einerseits das Handeln der unterschiedlichen politischen Akteure beeinflussen, andererseits selbst Objekte politischen Handelns bilden konnten – und so für die historische Forschung greifbar werden.

Besondere Bedeutung kommt den Orten zu, an denen diese unsichtbaren Grenzen "sichtbar" – d. h. in unterschiedlichen Medien erfahrbar – (gemacht) wurden. Ihre Untersuchung verspricht wesentliche Aufschlüsse über Strukturen, sich entwickelnde Staatlichkeit und politisches Bewusstsein mittelalterlicher Gesellschaften. So lassen sich etwa die spätmittelalterlichen Konflikte um grenzüberschreitendes Handeln sowohl als Anzeiger einer zunehmenden Bewusstwerdung von Grenzen wie auch als Katalysatoren ihrer weiteren begrifflichen und funktionalen Verdichtung begreifen. Durch die Untersuchung literarischer, historiographischer und philosophischer Reflexionen über das Phänomen Grenze sind Einsichten in die ideologischen Grundlagen spätmittelalterlicher Gesellschaften zu gewinnen. Schliesslich können die Visualisierung von Grenzen durch die materiellen Zeichen und rituellen Handlungen, die das Symbolinventar spätmittelalterlicher Herrschaft bilden, analysiert werden.

Es ist das Ziel des Panels, in einer vergleichenden Perspektive den spätmittelalterlichen Umgang mit Grenzen zu diskutieren. Im Fokus stehen besonders jene politischen Einheiten des mittel- und westeuropäischen Raumes, die im Spätmittelalter neu entstanden (z. B. die Eidgenossenschaft oder Burgund) oder die sich durch innere Integration und äussere Abgrenzung in dieser Zeit verfestigten (z. B. Königreiche England und Frankreich).

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