Die Grenzen des Ökonomischen: Der Mensch als Ware zwischen Mittelalter und Moderne

Freitag, 5. Februar
10:30 bis 13:00 Uhr
Raum 114

Wo verläuft die Grenze zwischen legitimen und illegitimen Formen ökonomischer Transfers, zwischen erlaubten oder "unsagbaren" deals? Die Beiträge des Panels widmen sich einem besonderen Grenzfall des Ökonomischen, nämlich der Bewertung, des Kaufs und Verkaufs von menschlichen Körpern.

Dabei geht es nicht um Sklaverei oder Prostitution, sondern um den in blosses anonymisiertes (und tötbares) "Fleisch" verwandelten Menschen. In der Geschichte der frühneuzeitlichen Eidgenossenschaft spielt dieses Motiv in der Debatte um den Solddienst eine besondere Rolle - als "commercium hominum", Handel mit Menschen, wie es der Humanist Willibald Pirckheimer formulierte, oder, so Huldrych Zwingli drastischer, als "fleysch und bluott verkauff". Die Beiträge des Panels fragen danach, in welchem Verhältnis diese Diskurse zu tatsächlichen ökonomischen Praktiken zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhundert stehen. Besonders beschäftigen werden uns dabei Erscheinungsformen von Lösegeld und Geiselnahme im militärischen Bereich, aber auch der Handel mit menschlichen Leichenteilen und Leichen in der frühneuzeitlichen Medizin. Die Rezeptionsgeschichte dieser Erzählmotive vom verkauften Menschen führt vom 15. und 16. bis ins 20. Jahrhundert: Sie reicht vom "Fleischmarkt" als Metapher für äusserste Ausbeutung und Gewalt bis in die zeitgenössischen Debatten um Transplantationsmedizin und Biopolitik.

Mit welchen Begriffen und Normen wurde der menschliche Körper der ökonomischen Sphäre entzogen oder an sie angeschlossen? Welche sozialen Praktiken schliessen an solche Rechtsbegriffe an? Und wie wirken umgekehrt die Praktiken auf die Rechtsbegriffe und ihre Definitionen zurück?

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