Grenzüberschreitungen und Grenzziehungen. Geschlecht und "deviantes" Verhalten im 20. Jahrhundert

Samstag, 6. Februar
15:00 bis 17:30 Uhr
Raum 106

Das Panel fokussiert Verhaltensweisen von Frauen, die in je spezifischen historischen und kulturellen Kontexten als geschlechtsspezifische Grenzüberschreitung wahrgenommen und mittels symbolischer und diskursiver Grenzziehungen rationalisiert und somit normalisiert wurden. Die gesellschaftliche Markierung von Handlungsweisen als deviant verweist immer auch auf die jeweils dominierenden Vorstellungen einer "normalen" Ordnung der Geschlechter. Dass Abweichungen von bestimmten Geschlechtervorstellungen durch Praktiken der Grenzziehung sanktioniert werden, lässt sich zu unterschiedlichen Zeiten und in zahlreichen gesellschaftlichen Räumen beobachten – beispielsweise geriet seit dem 19. Jahrhundert zunehmend das "verbrecherische Weib" und Verlust an Weiblichkeit ins Blickfeld der sich etablierenden Kriminologie.

An Beobachtungen der jüngeren Geschlechterforschung anknüpfend, ist es das Ziel des Panels, die hier angedeuteten Grenzziehungspraktiken anhand konkreter Beispiele zu analysieren. Gemeinsamer Nenner der Beiträge ist ein stets zwischen Angst und Faszination vor der "emanzipierten" Frau changierender Diskurs vornehmlich bürgerlicher Prägung. Dabei konzentriert sich das Panel auf jene zeitlichen Abschnitte der Moderne, die gleichermaßen in der zeitgenössischen Wahrnehmung wie auch in der Geschichtswissenschaft als Phasen eines dynamischen Wandels der Geschlechterbeziehungen wie auch einer virulenten gesellschaftlichen Verunsicherung gelten: zum einen die Zeit der Jahrhundertwende um 1900, die den Durchbruch der soziokulturellen Moderne mit sich brachte, und zum anderen die "langen 1970er Jahre", die in der aktuellen zeithistorischen Forschung als einschneidende Dekade des Umbruchs diskutiert werden.

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