Über-setzen: Prozesse translokaler Integration und ihre Grenzen (19.-20. Jahrhundert)

Freitag, 5. Februar
10:30 bis 13:00 Uhr
Raum 105

Moderne Gesellschaften liessen sich vielleicht dadurch charakterisieren, dass sie permanent damit beschäftigt sind zu übersetzen: Dinge, Menschen und Konzepte verlassen Orte, tauchen anderswo wieder auf und verändern sich dabei. Die kulturellen Praktiken, derer sich die Akteure dabei bedienen, könnte man etwa in Anlehnung an Bruno Latours Überlegungen als "Übersetzungsprozesse" bezeichnen. Wenn chemische Stoffe in einem Periodensystem aufgehen, Volkswirtschaften in den Parametern eines Bruttosozialproduktes beschrieben werden, eine Pflanze zu einem handelbaren Gut transformiert wird oder Waren in Frachtpapieren und Verpackungseinheiten erfasst und transportiert werden, finden gleich auf mehreren Ebenen signifikante Verschiebungen statt, deren Komplexität die Möglichkeit zur Erkundung grösserer historischer Transformationsprozesse bietet. Derart gefasst, sind mit dem analytischen Konzept der "Übersetzung" neben der sprachlichen Übertragung in Zeichensysteme auch alle jene Praktiken von Akteuren mitgemeint, die Ideen oder Dinge miteinander verbinden. Dadurch vermögen sie in grösserem Radius zu wirken, an Geschwindigkeit zuzulegen und dabei stärker und mächtiger zu werden. Vormalig Getrenntes wird vereinbar, Unvereinbares kommensurabel und Unberechenbares kalkulierbar. Diese Prozesse können gesellschaftlich hoch konfliktuös ausfallen und deren Ergebnisse als Verzerrung, Verwässerung oder gar Verrat diffamiert werden.

Das Panel stellt sich zum Ziel anhand dreier Fallstudien, die einer kulturwissenschaftlichen Erkundung moderner wirtschafthistorischer Prozesse verpflichtet sind, den Horizont und die Grenzen des in jüngster Zeit blühenden Übersetzungsbegriffs als analytisches Instrument auszuloten.

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