Geschichte des Verklungenen: Sound als Gegenstand einer Historischen Anthropologie

Freitag, 5. Februar
10:30 bis 13:00 Uhr
Raum 210

Beim Klang stösst die Historische Anthropologie an ihre Grenzen. Im Gegensatz zur fest etablierten Analyse visueller Kultur steht die Rekonstruktion vergangener Klangumwelten (soundscapes) vor der Schwierigkeit, dass ihr Gegenstand in aller Regel endgültig verschwunden, verklungen ist. Gleichwohl muss die akustische Dimension historischer Erfahrung einer ebenso differenzierten Betrachtung unterzogen werden wie die visuelle. Ausgehend von Pionierarbeiten zur Klangökologie und akustischen Kommunikationsforschung (R. Murray Schafer, Barry Truax) werden verklungene "soundscapes" zunehmend auch der historischen Anthropologie erschlossen. Das vorgeschlagene Panel möchte anhand von methodischen Reflexionen und empirischen Fallstudien einen Beitrag zur Reflexion über Sound als historisches Phänomen leisten.

Dabei soll eine Historisierung akustischer Wahrnehmung Aufschluss über historisch veränderte Erfahrungs- und Deutungsmuster von Klängen geben. Dabei geht es vor allem um die Variabilität von Bedeutungen, die der klanglichen in Umwelt zugeschrieben wurden. Zugleich kann analysiert werden, wie Klänge soziale und politische Räume prägten und strukturierten. Sounds können so als ein kommunikatives System betrachtet werden, das Normierungen unterliegt und Gegenstand von sozialen Aushandlungsprozessen ist. Historische Akteure hörten nicht nur anders, sondern etablierten auch spezifische soundways (Richard Cullen Rath), die ihre soziale Welt formten und mit Sinn versahen.

Das vorgeschlagene Panel möchte diesen soundways exemplarisch folgen und damit die Grenzen der Historischen Anthropologie erweitern.

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