Reproduktive Medizin – Sexualität – Fortpflanzung. Grenzverschiebungen im 19. und 20. Jahrhundert

Donnerstag, 4. Februar
15:30 bis 18:00 Uhr
Raum 119

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts formierten sich Sexualität und Fortpflanzung als eigenständige Bereiche des sozialen Lebens. Zentrale Akteure in diesem Formierungsprozess waren die Humanwissenschaften, die das Wissen über Sexualität und Fortpflanzung her- und bereitstellten. Gleichzeitig brachten sie technische Innovationen hervor, die gezielte Eingriffe in Sexualität und Fortpflanzung zur Steuerung und Kontrolle von Gesellschaft und Bevölkerung ermöglichten. Gerade im Zusammenhang mit gesellschafts- und bevölkerungspolitischen Fragen sowie der "Sozialtechnologie" der Eugenik anfangs des 20. Jahrhunderts erhielten diese Innovationen eine besondere gesamtgesellschaftliche Relevanz. Operative und hormonelle Geburtenverhütung, die Behandlung weiblicher und männlicher Infertilität mittels Insemination, Hormontherapie und In-vitro-Fertilisation sowie die genetische Diagnostik revolutionierten nicht nur die medizinischen Diagnose- und Behandlungsmethoden, vielmehr stellten sie auch die herkömmlichen Grenzziehungen bei der kollektiven Deutung von unerwünschter und erwünschter, aber auch gesunder und pathologischer Sexualität und Fortpflanzung zur Disposition.

Das Panel fragt an ausgewählten Beispielen medizinischer Innovationen im Bereich der Sexualität und Fortpflanzung des 19. und 20. Jahrhunderts nach den damit ausgelösten innerwissenschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Aushandlungs-, Legitimations- und Deutungsprozessen. Wie wurden die technischen Innovationen in Wissenschaft, Gesellschaft und Politik vor dem Hintergrund gesellschafts- und bevölkerungspolitischer Fragen gedeutet, legitimiert oder delegitimiert? Wie verschoben sich dabei die bisherigen kollektiven Grenzziehungen zwischen erwünschter und unerwünschter Sexualität und Fortpflanzung? Die aufgeworfenen Fragen sollen am Beispiel verschiedener Innovationen in der reproduktiven Medizin des 19. und 20. Jahrhunderts diskutiert werden.

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