Die Grenzen des Rechts: Menschenrechte, Opferdiskurse und Subjektpositionen im Umgang mit Verfolgungserfahrungen seit dem 2. Weltkrieg

Samstag, 6. Februar
10:30 bis 13:00 Uhr
Raum 117

Seit dem Zweiten Weltkrieg gelten Entschädigungsverfahren, und in jüngerer Zeit auch Wahrheitskommissionen, als wichtige Instrumente für eine an den Gerechtigkeitsansprüchen von Opfern orientierte Aufarbeitung von systematischen Gewalthandlungen. Diese opferzentrierte Vergangenheitsbewältigung gilt heute als konstitutiver Bestandteil der globalen Menschenrechtspolitik. Ihre Institutionalisierung ist von Diskursen und Praktiken begleitet, die Verfolgungserfahrungen nicht nur sprachlich artikulierbar und öffentlich kommunizierbar machen, sondern auch in rechtliche Kategorien zu fassen versuchen. Dadurch werden Subjektpositionen geschaffen, die über den Opferstatus der betroffenen Personen Identitäten bestimmen und rechtliche Ansprüche begründen. Vielen jüngeren Entschädigungsbewegungen dient dabei die Wiedergutmachung für nationalsozialistisches Unrecht nach dem Zweiten Weltkrieg als Modell.

Am Beispiel der historischen und juristischen Aufarbeitung von Vergangenheit durch Entschädigungsverfahren, Gerichte und Wahrheitskommissionen sollen in diesem Panel solche Mechanismen der Opferkonstruktion vermittels (menschen-)rechtlicher Diskurse diskutiert werden. Aus einer interdisziplinären Perspektive, die neben dem historischen Blickwinkel auch rechtswissenschaftliche und sozialanthropologische Positionen berücksichtigt, sollen diese Vorgänge auf ihre weiteren Implikationen für die Vorstellung und das Verständnis vergangener Verfolgung und deren Nachwirken in der Gegenwart geprüft werden. Ziel des Panels ist es auch, die Grenzen und Ambivalenzen von Rechtsdiskursen im Hinblick auf den Opferstatus und deren Folgen für die Betroffenen selbst auszuloten. Ebenso gilt die Aufmerksamkeit den Auswirkungen solcher Diskurse auf die Geschichtsschreibung bzw. die für öffentliche Debatten belangvolle Konstruktion historischer Wahrheiten.

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