Historisches Lernen ent-grenzen!

Freitag, 5. Februar
14:30 bis 17:00 Uhr
Raum 115

Der bewusst im Imperativ formulierte Panel-Titel wendet sich gegen die – beispielsweise bildungspolitisch, durch Lehrpläne vielerorts zementierte – Vorstellung, die Förderung historischen Denkens und Lernens könne erst in der zweiten Hälfte der Primarschule (also ab ca. 9 Jahren) systematisch beginnen. Oder anders gesagt: Konzeptionelle Grenz(ziehung)en bezüglich des historischen Lernens sollen kritisch diskutiert und durch empirische Befunde in Frage gestellt werden.

Denn: "So viel Geschichte wie heute war nie" (Bergmann). Sei es in Historienfilmen, Historischen Romanen oder Videospielen, Geschichte boomt. Mit Bilder- und Kinderbüchern, LEGO oder Playmobil usw. findet Geschichte Eingang ins Kinderzimmer und somit in die Lebenswelt der Vorschul- und Primarschulkinder. Auf diesen Trend reagieren auch geschichtskulturelle Institutionen. "Steinzeit", "Mittelalter", "Römer" oder "Indianer" werden etwa als Inhalte für "erlebnisreiche" Kindergeburtstage mit museumspädagogischer Animation angepriesen.

Im geschichtsdidaktischen Diskurs existieren zurzeit zwar hoch differenzierte Denk-, Struktur- und auch Kompetenzmodelle zum historischen Lernen. Doch die empirische Forschung zu historischem Wissen und Verstehen steckt noch in den Kinderschuhen (von Reeken 2008). Man weiss relativ wenig über die Entwicklung historischen Denkens, noch ist die Debatte um eine Operationalisierung historischen Denkens bislang in die Phase der praktischen Überprüfung gelangt. Ebenso fehlt eine anerkannte Methodologie und Theorie, welche auch für jüngere Kinder greift.

Das ist der Ausgangspunkt unseres Panels, in dem das frühe historische Lernen aus allen drei Bereichen der Geschichtsdidaktik beleuchtet werden soll: 1) Aus theoretischer Perspektive soll erörtert werden, was denn das Historische am historischen Lernen (auf der Vorschul- und Unterstufe) überhaupt sein kann und soll. 2) Die noch in den Kinderschuhen steckende empirische geschichtsdidaktische Forschung zum historischen Lernen, zur Entwicklung des Geschichtsbewusstseins und der Zeitvorstellungen bei Kindern hat in den letzten Jahren zeigen können, dass bereits vierjährige Kinder in der Lage sind, das Gestern mit dem Heute und dem Morgen sinnvoll zu verbinden (Kübler 2007) und somit über ein rudimentäres Geschichtsbewusstsein (Jeismann 1997) verfügen. 3) Aus pragmatischer Sicht soll mit Bezug auf Theorie und Empirie gefragt werden, wie historisches Lernen für junge Lernerinnen und Lerner inszeniert und deren Geschichtsbewusstsein gefördert werden soll.

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