"Persönlichkeit": Effekte und Zirkulation eines Grenzkonzepts

Samstag, 6. Februar
10:30 bis 13:00 Uhr
Raum 105

Im 19. und 20. Jahrhundert erlebte das Konzept der Persönlichkeit in den Humanwissenschaften einen historiographisch noch wenig reflektierten Aufstieg, der – so die These – gerade auch deshalb so ungehemmt erfolgte, weil der Begriff amorph und offen blieb. Wiewohl sich der Persönlichkeitsbegriff im Lauf seiner Verwissenschaftlichung disziplinär konkretisierte, blieb er ein situativ anpassungsfähiges Grenzkonzept, das unterschiedliche Diskurse und Denkkollektive zu verschränken vermochte. So bot das Konzept eine Brückenfunktion für interdisziplinäre Grundlagenforschung, etwa zwischen Philosophie, Psychologie, Anthropologie und Soziologie, aber auch für Anwendungskontexte wie Schule, Management oder Kriegsführung. Dieser entgrenzenden und volatilen Dimension des Persönlichkeitskonzepts gegenüber standen stets auch Grenzziehungen. Experten begutachteten Menschen und teilten sie einem bestimmten Persönlichkeitstypus zu, indem sie diese zum Beispiel als "gestörte" oder "gespaltene", "unreife", "geeignete", oder "autoritäre" Persönlichkeit bezeichneten. Die Beiträge des vorgeschlagenen Panels analysieren aus einer sozial- und kulturgeschichtlichen Perspektive , auf welche Weise das Konzept der Persönlichkeit seit dem späten 19. Jahrhundert in verschiedenen Bereichen wie dem sozialwissenschaftlichen Feld "culture and personality", der Psychiatrie und der Berufsberatung eingesetzt wurde. Dabei sollen die Grenzziehungen, die mit dem Konzept verbunden waren, auf ihre praktischen Wirkungen, Konfliktpotentiale und Ambivalenzen hin betrachtet werden.

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