Macht und Wirkung von Grenzziehungen: Die schweizerische Migrationsgesellschaft im 20. Jahrhundert

Samstag, 6. Februar
10:30 bis 13:00 Uhr
Raum 120

Der Prozess der Migration ist von Grenzziehungen begleitet, die durch fortwährenden Wandel wie auch beharrliche Dauerhaftigkeiten gekennzeichnet sind. Mit dem Aufkommen und der Konsolidierung der Nationalstaaten wurden räumliche Grenzen neu gezogen und politisch-administrativ gefestigt, während tradierte mentale und kulturelle Grenzziehungen bestehen blieben und zusätzliche Legitimationsgrundlagen erhielten. Dabei kommen oftmals überlieferte Vorurteile und Wahrnehmungsmuster zum Tragen, wie sich etwa beim Umgang mit der ostjüdischen Migration nach dem Ersten und der Migration aus südeuropäischen Ländern nach dem Zweiten Weltkrieg zeigte. Auch verändert sich die in Administration, Wissenschaft und Öffentlichkeit verwendete Terminologie fortlaufend, wobei eine oft folgenreiche Vermengung von Klassifikation und Metaphorik stattfindet. Migrantinnen und Migranten ihrerseits begegnen Identifizierungen, Zuschreibungen und Abgrenzungen mit einer Vielfalt an kommunikativen und politischen Strategien und artikulieren damit ihre Grenzerfahrungen in privaten und öffentlichen Räumen.

Im Panel geht es darum, diese beiden Aspekte von Grenzziehungen in der schweizerischen Migrationsgesellschaft des 20. Jahrhunderts zu beleuchten und der Kategorie "Geschlecht" dabei ein besonderes Augenmerk zu schenken. Auf der einen Seite stellt sich die Frage, mit welchen Mitteln und Diskursen staatliche Behörden, politische Parteien, Medien und weitere gesellschaftliche Akteure Grenzen ziehen und dabei ein Bild des eingewanderten "Anderen" zeichnen, das kognitive und institutionelle Prozesse von Kategorisierungen untermauert. Zum anderen ist der Blick auf Migrantinnen und Migranten zu werfen, die mit ihrer transnationalen Erfahrungswelt in ein Spannungsfeld von Integration und Ausgrenzung geraten und häufig homogenisierenden Identitätsansprüchen nicht nur seitens der Mehrheitsgesellschaft, sondern auch ihrer eigenen Gruppe ausgesetzt sind.

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