Schnitt. Zur Technikgeschichte von Grenzen - Schnitte als Entscheidungsverfahren (Doppelpanel Teil 2)

Samstag, 6. Februar
15:00 bis 17:30 Uhr
Raum 114

Was auf dem Gebiet der politischen Kartographie oder für die Festlegung gesundheitsrelevanter Grenzwerte unmittelbar einleuchtet, gilt für Grenzen überhaupt: Ihre Setzung, ihre Aufrechterhaltung und ihre Auflösung sind technische Vorgänge. Grenzen verkörpern wissensbasierte Entscheidungen und stellen sie – mitunter auf sperrige Art – in den Raum der Geschichte. Ausgehend von diesem Befund versucht unser Doppelpanel, den technischen Charakter von Grenzen genauer zu bestimmen und für die historische Reflexion zu erschliessen.

Die jüngere Wissenschafts- und Technikgeschichte diskutierte den Grenzbegriff typischerweise anhand der Idee des Laborexperiments. Durch das gezielte Zerschneiden von Sinnbezügen, durch das Isolieren und Präparieren von Objekten im Labor sind Erkenntnismöglichkeiten über grössere Zusammenhänge möglich geworden. In der technischen Versuchsanordnung fanden sich die Grenzen zwischen Natur und ihren kulturellen Repräsentationen, zwischen Wissenschaft und Gesellschaft auf eindrückliche Weise institutionalisiert. Das Doppelpanel weitet den Blick über das Labor hinaus aus: Wo in der gesellschaftlichen Realität fanden sich diese Grenzen wieder? Was leisteten diese Grenzen und für wen? Lassen sich diese Funktionen typisieren? Wenn Grenzen helfen, Ordnung zu schaffen, wie verhalten sie sich dann zu anderen Elementen dieses Ordnungssystems?

Die Vorträge nähern sich dem Thema technikhistorisch über den Begriff des Schnitts. Er macht den performativen Charakter von Grenzen deutlich. Es werden eine Reihe von Techniken vorgestellt, die die Welt so zuschnitten, dass sie fassbar wurde und zur Bearbeitung vorlag. Dabei wird ein weiter Bogen gespannt, der sowohl konkrete Schnittvorgänge – etwa in der Textilproduktion oder im Fernsehschaffen – als auch analytische Schnitte wie die Festlegung von Grenzwerten und Durchschnitten umfasst und die Problematik auch auf kategoriale Trennlinien etwa zwischen Natur und Kultur bezieht.

Die Konstruiertheit von Grenzen ist der Ausgangspunkt des Panels. Ziel des Doppelpanels ist es, anhand einzelner Beispiele abzuschätzen, welches Potenzial in einer technikgeschichtlichen Rahmung des Grenzthemas liegt. Die übergreifende Annahme dabei lautet, dass konzeptionelle und materielle Zugriffe auf die Realität durch Grenzziehungen, Schnitte und Trennungen erst möglich werden.

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