Grenz-Erfahrungen – Begegnungen mit dem "Anderen" in Berner und Solothurner Selbstzeugnissen des 17. Jahrhunderts

Die protestantischen und katholischen Selbstzeugnisautor/innen lebten grundsätzlich in konfessionspolitisch einheitlichen Städten, Bern war so durchdringend reformiert wie Solothurn katholisch. Doch trotz der vermeintlichen konfessionellen Homogenität, waren Kontakte zum "Anderen" an der Tagesordnung: Solothurner Gesandte mussten auf Tagsatzungen mit Berner Patriziern verhandeln und einen Konsens finden. Der reformierte Pfarrersanwärter und Theologe Samuel König reiste durch die katholischen Länder Europas und kam mit deren Bevölkerung in Kontakt, der Katholik Ludwig Bieler pilgerte nach Jerusalem und traf dort auf muslimische Türken. Die Berner Patriziertochter Catherine Perregaux von Wattenwyl liess sich möglicherweise sogar als Spionin für die fran-zösische Krone gebrauchen. Wie wurden diese Grenzerfahrungen in den Selbstzeugnissen beschrieben und konstruiert? Welche Bedeutung hatten die Grenzen und das Überschreiten der Grenzen für das schreibende Individuum und dessen konfessionelle Identität? So soll ein detailliertes Bild von ganz persönlichen Grenz-Erfahrungen im 17. Jahrhundert entstehen.

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