Affen und Menschen - Vormoderne Verwandtschafts- und Differenzdebatten

Lange bevor Evolutionstheorie und Genetik Affen als engste biologische Verwandte des Menschen im Tierreich identifizierten, gab es eine Fülle von Diskursen, in denen sich dieses besondere Mensch-Tier-Verhältnis eigentümlich artikulierte. Theologie und Philosophie reflektierten seit der Antike die unterschiedlichen kulturellen Rollen, die Affen als Spiegelbildern des Menschen zugeschrieben wurde. Auch die im engeren Sinne zoologische Debatte wies schon früh eine große Variationsbreite auf: von Annahmen grundsätzlicher Differenz über ‚Missing link’-Theorien bis zu Behauptungen größter Ähnlichkeit. Die ‚Affenfrage’ vor Darwin besass darüber hinaus in den Rassen- und Gendertheorien wirkmächtige Ableger; sie zogen die Grenzen zwischen Anthropologie und Zoologie, zwischen ‚Mensch’ und ‚Tier’ noch nicht in moderner Weise. Dies zeigt, dass sich die Debatte über das Mensch-Tier-Verhältnis nur partiell entsprechend dem Fortschritt der Wissenschaften enfaltete, sondern einer eigenen, symbolisch vielfach beschwerten Logik folgte. Bis heute bildet das Affenparadigma, wie die ethologischen Primatenforschungen belegen, den Prüfstein, an dem sich die anthropologische Grundfrage nach der Besonderheit des ‚Menschen-Tiers’ entscheidet.

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