Zwischen Ideal und Wirklichkeit. Grenzen der Herrschaftsumsetzung über Boten und Briefe im eidgenössischen Raum (13. bis 15. Jahrhundert).

Wie stark die offizielle Nachrichtenübermittlung der Orte in der spätmittelalterlichen Eidgenossenschaft um 1450 bereits institutionalisiert war, zeigt sich unter anderem in der weitgehend uniformen, chronikalischen Darstellung von Boten (v.a. Luzerner Schilling, Amtliche Spiezer Chronik), deren Ausstattung und Verhaltenscodes von Auftraggebern wie Destinatären gedeutet wurden: Einerseits galten sie als Garanten eines gesicherten mündlichen und schriftlichen Informationsaustausches, andererseits als vielfältig einsetzbare Repräsentanten ihrer Herrschaftsmacht in Untertanengebieten, bei Bündnispartnern und vor auswärtigen Mächten. In der normativen Überlieferung (z.B. Stadtrechten, Urkunden, Amtsbüchern) wurde diesem Aspekt zum 15. Jahrhundert hin sogar mehr Geltung eingeräumt, als ihrer Nachrichtentätigkeit. Angesichts dieser Entwicklung und zahlreicher widersprüchlicher Vorfälle (Übergriffe auf Boten als Herrschaftsvertreter, zeremonielle Unstimmigkeiten, Amtsmissbrauch) muss man sich allerdings die Frage stellen, wie weit es um ihre herrschaftsrechtliche Handlungsfähigkeit tatsächlich bestellt war und welchen Einfluss diese Episoden auf die Verschriftlichung ihres " Image " am Ausgang des Mittelalters hatten. Im Visier stehen dabei Beispiele aus dem eidgenössischen Westen.

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