Differenzen produzieren und verwischen. Verwandtschafts- und Vererbungskonzeptionen bei Soldunternehmerfamilien (16.–18. Jahrhundert)

Abstammungserzählungen, Ahnenreihen und weitere genealogische Wissensbestände erlebten als inhärente Bestandteile der Familienkultur eidgenössischer Soldunternehmer- und Magistratengeschlechter in der Frühen Neuzeit einen starken Bedeutungszuwachs. Ihre Herkunftsgeschichten setzten am Ursprung der Dynastie, häufig bei einer Art Ur-Vater-Figur ein und verklammerten, strikt der Manneslinie folgend, die familiäre Vergangenheit mit der Gegenwart und Zukunft. Diese Narrative – besonders treffend veranschaulichen das Stammbäume – transportierten Vorstellungen zeitloser Kontinuität sowie stetig wachsenden Ruhms und Prosperität der Dynastie. Innerhalb des Mannesstammes, so die zugrunde liegende Idee, sollten verschiedenste materielle und immaterielle Güter sowie Eigenschaften unablässig zwischen den Generationen zirkulieren.

Der Vortrag beleuchtet, welche verwandtschaftlichen und sozialen Zugehörigkeiten mittels derartiger genealogischer Praktiken konstruiert und welche normativen Grenzen abgesteckt wurden. Genealogien und besonders Stammbäume produzierten und verwischten Differenz gleichermassen, sie trennten und verbanden Individuen. Im Weiteren wird der Frage nachgegangen, welche Konzeptionen von Vererbung und intergenerationeller Übertragung innerhalb von Verwandtschaftsverbänden bestanden.

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