Grenzen erfahren. Migration in frühneuzeitlichen Selbstzeugnissen von Studenten und Gelehrten

Die Studenten der Frühen Neuzeit waren trotz landesherrlicher Bestrebungen zur territorialen Begrenzung der Studienmöglichkeiten eine insgesamt immer noch extrem mobile soziale Formation. Mein Beitrag fragt zunächst nach den konkreten Raumbezügen der Migration von Studenten und Graduierten in Selbstzeugnissen wie Briefen, Tagebüchern und Lebensbeschreibungen. Wie werden Erfahrungen des anderen Landes, der anderen sozialen Umwelt, anderer Nahrungsgewohnheiten als Grenzüberschreitung wahrgenommen und artikuliert? Mit dem Aufenthalt an einem auswärtigen Studienort einher ging auch eine Modellierung des eigenen Lebensstils der zwischen Konformität und Devianz oszillieren konnte. So wurde die Entfernung von Elternhaus und Herkunftsregion von vielen Studierenden zur Überschreitung rechtlicher wie kultureller Grenzen genutzt. Die Erfahrungen der Fremde konnten schließlich auch soziale Kohäsionsprozesse landsmannschaftlicher Art befördern und damit weitere Grenzziehungen und Identitätsbildungsprozesse befördern. Insgesamt haben wir es also mit räumlichen ebenso wie mit sozialen, rechtlichen wie kulturellen Grenzüberschreitungen zu tun.

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