Propaganda und Zensur: Grenzen des Zeigbaren in sowjetischen Partisanenbildern

Die Figur des sowjetischen Partisanen im Zweiten Weltkrieg befindet sich bildlich gesprochen in einem mehrfachen Zustand der Liminalität: Territorial operiert sie zwischen den Fronten, in einem Raum, der unklare Herrschaftsverhältnisse aufweist und eine Grauzone ist. Die Kriegserfahrung ist in lebensweltlicher Hinsicht eine Ausnahmesituation, die soziale Normen, Identitäten, Rollenverständnisse und Handlungsmotive hinterfragt oder verändert. Vielfache Grenzüberschreitungen wie Anarchie, Widerstand, Gewalt und Vernichtung sind Charakteristika von Partisanenerfahrungen. Im offiziellen Geschichtsbild der Sowjetunion wurde der Partisanenkampf auf Heldentum, Patriotismus und Volkskampf reduziert, jede Form von kritischer Grenzerfahrung ausgeblendet. Das Ritual, wie an den Krieg erinnert wurde, ist eine normative Grenzziehung zwischen akzeptablem Narrativ und Tabuisierungen. Dieser Mechanismus lässt sich auf verschiedene Medien der Erinnerung übertragen. Am Beispiel von Partisanenfotos soll die Konstruktion eines Bildkanons mit einer typischen Bildsemantik gezeigt werden, die auch Ausblendungen umfasst.

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