Natur als antike Konzeption der Begrenzung

Der antike Begriff der Natur (physis bzw. natura) ist eine Spezialität der griechischen Poliswelt und verewigt als solche ein elitäres (‘politisch’ generiertes) Selbstbewusstsein menschlicher Verbände, die sich als Sonderwesen in und gegenüber der Welt selbst wahrgenommen und definiert haben. Seit dem 5. Jhdt. v. Chr. ist eine Konzeption von Autonomie und ‘Eigenweltlichkeit’ des – politisch autonomen – Menschlichen greifbar, die sich als Kultur von einer Natur unterscheidet, die ihrerseits (seit den sogenannten physikoi) als rational geregelter ‘Raum’ ohne echte Autonomie, d. h. als bare Phänomenalität für ein menschlich autonomes Subjekt wahrgenommen werden kann. Diese Trennung der Welt in "Natur und Kultur" (physis und nomos) ist wie der Naturbegriff selbst anderen Gesellschaften fremd (aufschlussreich ist besonders der Vergleich mit Altchina: die Adaption des Naturbegriffs ins moderne Chinesisch im 19. Jhdt. ist ein Akt mentaler Anpassung an koloniale Bedingungen). Zu zeigen ist insbesondere, dass die Vorstellung des Menschlichen als “kulturell“ exklusiver Wesentlichkeit an den komplementären Begriff der "Natur" samt der mit ihm verbundenen Rationalität geknüpft ist.

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