Grenzlandschaften – Burgenlandschaften?

Die Geschichte der Auseinandersetzungen zwischen Sachsen und Slawen zieht sich durch weite Teile des Mittelalters. In einem Raum um die Flüsse Elbe und Saale kollidierten die Interessen der beiden Gruppen miteinander. Hier kam es über einen sehr langen Zeitraum zu gegenseitigen Überfällen, Belagerungen, Eroberungen und Rückeroberungen. Es ist keine lineare Trennung zwischen den Stämmen erkennbar. In einem weiten Gebiet kam es zu einer Mischbesiedlung, wie nicht nur die archäologische Fundlage anzeigt, sondern es auch aus den schriftlichen Quellen hervorgeht. Seit der Zeit der Karolinger wurden Grenzgebiete in Marken organisiert. Diese hatten im Reichsgefüge einen besonderen Stellenwert und verdienten als Pufferzonen und Expansionsräume grosse Aufmerksamkeit. Innerhalb dieses Grenzraumes kam es immer wieder zu gewaltsamen Konflikten, aber auch zu Zeiten friedlicher Koexistenz. Grenzräume sind kein Phänomen, das sich auf eine Landschaft beschränkt. In vielen europäischen Regionen kam es zu ähnlichen und vergleichbaren Konstellationen. Innerhalb dieser Räume ist eine hohe Dichte an Burgen zu beobachten, wie auch bestimmte dynamische Prozesse, die auf gleichartige Systematiken schliessen lassen. Erst im Laufe des Mittelalters verdichteten sich die Grenzgebiete mehr und mehr, bis sie schliesslich auf eine lineare Grenze hin konvergierten. Die Burgen und Befestigungen innerhalb der Grenzlandschaften hatten vielfältige Funktionen inne. Sie waren nicht nur Orte militärischer Operationen oder Herrschaft im Allgemeinen, sie hatten auch einen besonderen Stellenwert in der Sichtbarmachung von Zugehörigkeiten und territorialen Herrschaftsansprüchen und trugen so wesentlich zum Grenzbewusstsein bei.

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