Erasmus von Rotterdam zwischen den Glaubensparteien

Seit 1519 hat Erasmus versucht, aus einer neutralen Haltung heraus zwischen den sich formierenden Glaubensparteien zu vermitteln. Bereits 1520 entwickelte er in Schriften zur Luthersache einen epistemologischen Ansatz, der ihm erlaubte, verschiedene nebeneinander bestehende Glaubenslehren als möglich zu erweisen. Der Erfolg blieb aus. Luther und seine Lehre wurde in Worms verurteilt, und Erasmus sah sich gezwungen, das kaiserliche Löwen zu verlassen. Um seine Unabhängigkeit zu wahren, übersiedelte er in die freie Reichstadt Basel. Hier wird seine unabhängige Stellung anerkannt. Der Rat bittet den Gelehrten um Stellungnahmen im Glaubensstreit und versucht zunächst, im Sinne des Erasmus beide Parteien zu mässigen. Nach dem Bildersturm von 1529 setzt sich die reformatorische Partei durch und erlässt eine neue Ordnung, in der alle Bürger auf die neuen reformatorischen Lehren verpflichtet werden. Erasmus verlässt die Stadt, in der jeder, "wie niedrig er auch wäre, ihm hätte schaden können". Aber er kehrt 1535 nach Basel zurück, stirbt im folgenden Jahr und erhält gegen die reformatorische Ordnung ein Staatsbegräbnis und eine Gedenktafel im Münster. Hat wenigstens der Tote den Graben überwunden?

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