"Gift" und "Gegengift". Ultramontane Öffentlichkeitsarbeit und die Grenzen der Toleranz 1830-1848

David Luginbühl analysiert Grenzziehungsprozesse im Zusammenhang mit dem in den 1830er und 1840er Jahren erstarkenden Ultramontanismus. Im Kontext der Konfessionalisierung der Politik diente die diffamatorischen Fremdbezeichnung "ultramontan" der Ausgrenzung romtreuer Katholiken aus der nationalen Gemeinschaft. Umgekehrt wurde der Begriff auch offensiv als Eigenbezeichnung aufgegriffen. Innerhalb der sich formierenden und institutionalisierenden ultramontanen Netzwerke erfolgte eine stark auf das Papsttum ausgerichtet Redefinition der Grenzen der Katholizität. Mit der Gründung von Publikationsorganen und Vereinen und der Förderung von Wallfahrten und Prozessionen verfolgte die ultramontane Bewegung eine Strategie der Selbstbehauptung im öffentlichen Raum. Sie nahm dabei modernen Freiheiten in Anspruch, deren theoretische Grundlagen die römisch-katholische Kirche durchwegs ablehnte. Dieses Paradoxon strapazierte im Gegenzug das liberale Toleranzverständnis, wie die Massnahmen gegen romorientierte Vereine und Publikationen zeigen.

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