Der "arabophile" Carsten Niebuhr. Über emotionale und andere Grenzüberschreitungen im "glücklichen Arabien"

Der norddeutsche Mathematiker und Landvermesser Carsten Niebuhr (1733-1815) bereiste im Zeitraum zwischen 1761 und 1767 mit einer Gruppe von Forschern im Auftrag des dänischen Königs die arabische Halbinsel und brachte von dort umfangreiche Forschungsergebnisse und berichte zurück, die von geographischer wie von philologischer Seite als "bahnbrechend" bezeichnet wurden und ihm in Europa hohes Ansehen verschafften. Während in der jüngeren Forschung insbesondere die Frage diskutiert wird, wie objektiv oder "orientalistisch" (im Sinne E.Saids) die von Niebuhr gelieferten Beschreibungen sind, dominierte bei den Zeitgenossen eher das Bild vom "arabophilen" Niebuhr, wie es sein Sohn, der Historiker Reinhold Niebuhr von ihm in einer biographischen Skizze überliefert hat, die auch der modernen Ausgabe des Niebuhr`schen Reiseberichts (von 1992) vorangestellt ist. Niebuhr selbst bekundet in seinem knapp gehaltenen Vorwort die Absicht, möglichst "neutral" und objektiv berichten zu wollen – auch auf die Gefahr hin, sein Lesepublikum zu langweilen. Im Vortrag soll es zunächst darum gehen, die Grenzziehungen zwischen "Eigenem" und "Fremdem", wie sie in Niebuhrs Bericht aufscheinen, an einigen Beispielen genauer unter die Lupe zu nehmen, um in einem zweiten Schritt zu fragen, welche Anhaltspunkte der Bericht selbst für die "arabophile" Lesart bietet – also Momente der "Grenzüberschreitung", der kulturellen Assimilation zu fassen, wie sie etwa in der Übernahme "arabischer" Kleidung, Lebensart, Sprache und Bedeutungszuschreibungen aufscheinen. Schliesslich stellt sich in der Folge die Frage, welche Bedeutung diese "Grenzüberschreitung" für die Selbstdarstellung Niebuhrs und für die – vielleicht auch "orientalistische" - Rezeption seiner Schriften in (Mittel-)Europa gehabt haben könnte.

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