"Castratio feminis" und Sterilisationen, medizinische Regulierung weiblicher Sexualität in den 1880er und den 1930er Jahren

Mit der Einführung von Anästhesie und Asepsis in die Chirurgie wurde der systematische Zugriff auf das Körperinnere "in vivo", und damit auch der Zugriff auf die weiblichen Keimdrüsen, die Ovarien, möglich. Als Ovariotomie setzte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Entfernung der Ovarien bei lebensbedrohenden Krankheiten durch. Bald wurde das Indikationsspektrum ausgeweitet, entfernt wurden nun auch "gesunde" Ovarien, wenn sie als Ursache von "Verhaltensauffälligkeiten" in Zusammenhang mit Sexualität angenommen wurde. Dieser Eingriff wurde dabei als "castratio feminis" bezeichnet und intendierte die Regulierung einer "gefährlichen weiblichen Sexualität". Als nun anfangs des 20. Jahrhunderts der Eingriff der Sterilisation, die Unfruchtbarmachung, entwickelt wurde, löste diese bei vielen Indikationen die Ovariotomie, aber auch die "castratio feminis" ab. Die "castratio feminis" war eine der ersten, modern-chirurgischer Eingriffe, mit der unerwünschtes sexuelles Verhalten reguliert und angepasst wurde. Was als "unerwünschte" weibliche Sexualität galt, transformierte sich jedoch mit der Möglichkeit der Sterilisation, wie dieser Beitrag für die 1880er und die 1930er Jahren zeigen möchte.

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