Genetische Recodierung uneindeutigen Geschlechts im 20. Jahrhundert: Genetische Intersexualität, eugenische Problematisierung und der Appell an die Eigenverantwortlichkeit

Richard Goldschmidts Kreuzungsexperimente mit Schwammspinnern zur genetischen Intersexualität stehen in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts nicht nur für den Beginn der experimentellen Genetik, sondern auch für die Anfänge einer eugenischen Problematisierung der geringfügigsten geschlechtlichen "Abweichungen": Diese wurden mit dem aus Goldschmidts Intersexualitätslehre abgeleiteten Konzept der "intersexuellen Konstitution" unter Verdacht gestellt, in besonderem Maße den Geburtenrückgang und die "Degeneration" der "Kulturnationen" zu beschleunigen. Vor diesem Hintergrund wurde z.B. von dem Berliner Gynäkologie-Ordinarius Walter Stöckel auch noch nach 1945 empfohlen, Frauen mit intersexueller Konstitution von der Fortpflanzung abzuhalten. U.a. von Hans-Peter Kröner ist allerdings darauf hingewiesen worden, dass die Neo-Eugenik nach 1945 weniger auf Zwangsmittel, denn auf Freiwilligkeit und die Aktivierung der Eigenverantwortlichkeit setzte. Wie verhielt sich dazu die genetische Recodierung und eugenische Problematisierung uneindeutigen Geschlechts?

ReferentIn(en)