Innovation und Wahrnehmung: Die Amniozentese als Schlüsseltechnik bei der "Genetisierung" der menschlichen Fortpflanzung seit den späten 1960er-Jahren

Der Vortrag handelt von der Entwicklung, Verbreitung und Wirkungsmacht einer Diagnosetechnik am ungeborenen Leben, die bei der "Genetisierung" (Abby Lippman) der menschlichen Fortpflanzung seit den späten 1960er-Jahren eine Schlüsselposition eingenommen hat: der Amniozentese mit anschliessender Chromosomenanalyse fötaler Zellen. Am Beispiel von Deutschland und der Schweiz wird danach gefragt, wie die Amniozentese die bisherigen Grenzen beim Zusammengehen von Humangenetik und Fortpflanzungsmedizin erweiterte, wie sie unter Experten und in der Öffentlichkeit im Spannungsfeld von Eugenik und Genetik wahrgenommen wurde und wie sie – zunächst unbemerkt – die herkömmlichen Grenzziehungen zwischen "Normalität" und "Abnormalität" bei Mutterschaft, Schwangerschaft und Behinderung verschob.

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