"Gesundheit" aus dem Schlachthof? Überlegungen zur Geschichte der Zellulartherapie

In den 1950er Jahren war die Zellulartherapie des Schweizer Chirurgen Paul Niehans ein ebenso populäres wie umstrittenes Heilverfahren; die aus Tierkörpern gewonnenen "Frischzellen" waren ein Zauberwort der deutschen Aufbaugesellschaft und ein Reizwort der Universitätsmedizin, die sich herausgefordert sah, Nachprüfverfahren einzuleiten und Strategien der Abgrenzung in Stellung zu bringen. Der Vortrag will zunächst darauf aufmerksam machen, dass der Gesundheitsbegriff der Nachkriegszeit mit diffusen Vorstellungen von Regeneration und Revitalisierung einher ging (Frischzellen machten nicht "gesund", sondern "revitalisierten" erschöpfte Körper). Darauf aufbauend wird gezeigt, wie schwierig es für die Universitätsmedizin war, in diesem Konflikt ihre wissenschaftliche und gesellschaftliche Deutungsmacht auszuspielen und Grenzziehungen zu ihren Gunsten vorzunehmen.

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