Neuropathie – Konstruktion und Wirkungsmacht einer pädiatrischen Diagnose

Die Rassenhygiene machte bekanntlich vor der Schweiz nicht halt. Wie bewältigten die Mediziner die zentrale Aufgabe dieser Lehre, eine Grenze zwischen normalen und degenerierten Individuen zu ziehen? Sie lernten bereits im Studium, körperlich-geistige Minderwertigkeit, die so genannte "Neuropathie", im Kindesalter zu erkennen. Eine Analyse der Lehrbildersammlung des Kinderspitals Zürich und zugehöriger Krankengeschichten zeigt, wie unsicher die degenerativen Erkennungszeichen waren, wie willkürlich die Grenzen der Normalität gezogen wurden und mit welchen konkreten Folgen eine Diagnose "Neuropathie" verbunden sein konnte. Dabei stellt sich die Frage, vor welchem medizinischen und gesellschaftlichen Hintergrund dieses Instruments der Grenzziehung eine derartige Bedeutung erlangen konnte.

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