Die französische Eroberung der Franche-Comté, die eidgenössische Neutralitätserklärung von 1674 und die grenzüberschreitende Mobilität

Im Mai 1674, während des französischen Eroberungsfeldzugs in der Freigrafschaft Burgund und als direkte Konsequenz davon, wurde die Neutralität der 13 eidgenössischen Orte zum ersten Mal offiziell deklariert. Die Eidgenossen aber standen der benachbarten Provinz gegenüber in Form von Bündnissen mit den österreichischen und spanischen Habsburgern sowie dem König von Frankreich in der Schuld. Überdies drohte gleichzeitig die Situation mit Savoyen zu eskalieren, weil Karl Emmanuel II. den für Genf überlebenswichtigen Handel durch den Bau eines Salzdepots in Bellerive am Genfersee (erfolglos) zu ersticken suchte: Das protestantische Genf und die katholische Freigrafschaft wollten beide gleichzeitig von den konfessionell gespaltenen Eidgenossen beschützt werden.

Sich neutral zu erklären ermöglichte es den Eidgenossen, dem Druck der ausländischen Mächte auf geschicktem Wege zu entgehen. Die Eidgenossen interpretierten ihre eigene Neutralität dahingehend, dass die Interessen möglichst aller Orte gewahrt blieben. In diesem beziehungsreichen Kontext also hatten sich die ständischen Regierungen sowie die Familien, welche auf durchlässige Grenzen und auf ein gutes Einvernehmen mit den nachbarlichen Gebieten angewiesen waren, zu orientieren. Ein Beispiel dafür ist Freiburg; anhand zweier Wirtschaftszweige, dem Solddienst und dem Salzhandel, kann paradigmatisch aufgezeigt werden, dass die grenzüberschreitende Mobilität trotz misslicher Umstände nicht ausblieb, im Gegenteil: Gerade in Krisenzeiten konnten gute Geschäfte für die Zukunft ausbedungen werden.

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