"Culture & Personality": Zur Geschichte interdisziplinärer Persönlichkeitstypologie in den US-Sozialwissenschaften des 20. Jahrhunderts

Ausgehend von Initiativen aus der Psychiatrie, wo damals um die Konzeption von Psychosen als durch soziokulturelle Umweltbedingungen mitbestimmt gerungen wurde, institutionalisierte sich in den USA der 1930er Jahre ein interdisziplinäres Feld der Persönlichkeitsforschung, das krankengeschichtliche Zugänge aus der Klinik mit soziologischer und anthropologischer Feldforschung und Testverfahren aus der Psychologie vereinigte. Gefördert durch grosse Mittel privater Stiftungen wurde hier "Persönlichkeit" vergleichend typisiert und soziokulturellen "Mustern" zugeordnet. Anfänglich theoretisch und methodisch sehr offen angelegt, konzentrierte sich das zunehmend psychoanalytisch geprägte Feld verstärkt auf die Untersuchung kulturtypischen Umgangs mit Kleinkindern. Schliesslich wurde ein Konzept der "Sozialisation" kondensiert, das als systemtheoretische Zurüstung des Individuums gegen Ende des Zweiten Weltkriegs zu einer sozialwissenschaftlichen Schlüsselkategorie wurde und sich – etwa zur Bestimmung "nationaler Charaktere" – auch politisch instrumentalisieren liess.

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