Kommunikation ohne Grenzen? Das Fürstentum Neuchâtel zwischen preussischer und französischer Monarchie im Siebenjährigen Krieg (1756–1763)

Gestützt auf die 1707 durch den preussischen Landesherrn zugebilligten Privilegien erklärte das Fürstentum Neuchâtel im Siebenjährigen Krieg nicht nur seine Neutralität, sondern verteidigte auch weiterhin das Recht der Neuenburger Untertanen, Solddienste für den französischen König zu leisten. Diese Praxis sowie die Art der Beziehungen zur angrenzenden Freigrafschaft Burgund wurden bald zum Gegenstand von grenzüberschreitender Kommunikation. Während der Landesherr versuchte, seine potestas absoluta geltend zu machen und die Solddienste seiner Untertanen für den Kriegsgegner mit Hilfe Berns zu unterbinden, unterhielten diese trotz des Abbruchs der offiziellen Beziehungen zwischen den beiden Monarchien weiterhin eigenständige Kontakte zur französischen Krone und suchten auf lokaler Ebene im Zeichen der bon voisinage nach einvernehmlichen Beziehungen mit der Franche-Comté. Der Beitrag fragt nach den Bedingungen, Wegen und Inhalten der Kommunikation zwischen Untertanen, ihrem Landesherrn und Vertretern fremder Mächte in Kriegssituationen. Das Beispiel Neuchâtels zeigt, dass Aussenbeziehungen auch im 18. Jahrhundert nicht ausschliesslich zwischen souveränen Staaten, sondern parallel und teils sich widersprechend zwischen Akteuren aller Ebenen geführt wurden. Dabei offenbaren sich die Grenzen fürstlicher Absolutheitsansprüche auch im Bereich politischer Aussenbeziehungen.

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