Schnabelmaske: Sanität, Souveränität, Selektion

Das Frontispiz von Hobbes´ "Leviathan" ist zu einer Ikone der politischen Philosophie geworden. Ein Bild, welches die Betrachter bannt und das politische Denken bahnt. Das Frontispiz führt uns die Beziehung zwischen Schutz und Gehorsam vor die Augen: Als Gegenleistung für Gehorsamkeit liefert der "Leviathan" Schutz. Dieser Schutz ist indes nicht nur militärisch gedacht, sondern ebenfalls sozial – und sanitarisch. Damit wir diese Dimension sehen können, müssen wir uns sehr nah ans Bild heranwagen: Mich interessieren die beiden Figuren der Seuchenärzte. In meiner Präsentation frage ich danach, weshalb diese auf dem Frontispiz von 1651 auftauchen, und zwar als unscheinbares Detail, als etwas, das da, aber kaum sichtbar ist. Erstaunlich finde ich jedoch, dass ein so winziges Detail wie die beiden Schnabelmasken bei genauem Hinsehen klar erkennbar ist. Die Schnabelmaske besitzt eine sehr auffällige Form, ja sie ist im Laufe der Geschichte selbst gewissermassen zur Ikone geworden.

In der hier vorgeschlagenen Sichtweise werden die Schnabelmasken zum Schwer- und Drehpunkt der Interpretation. Als Wahrnehmungsfilter verändern sie die Sicht auf den dargestellten Staatskörper. Sie lenken den Blick auf die Gewaltsamkeit der Grenzziehung, die nötig war, um dessen souveräne Ganzheit und Abgeschlossenheit herzustellen, was sich insbesondere mit Blick auf die Pestpolitik zeigen lässt. Medizinische Diskurse waren demnach wichtig für die Etablierung und Legitimierung von Grenzen. Und selbst wenn diese Art der Grenzziehung nicht nur über Aus-, sondern auch über Einschluss — beispielsweise ins Pestspital — funktioniert, läuft diese jener inkorporierenden Inklusion zuwider, welche die Darstellung des Staatskörpers suggeriert. Durch die Sichtbarmachung des biopolitischen Kontextes gelangt demnach der Zusammenhang von Sanität, Souveränität und Selektion in den Blick, und zwar auf dem Emblem des body politic, dem Frontispiz des "Leviathan".

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