Imaginierte Feinde und reale Grenzen: Die Gründung des Grenzsanitätsdienstes in der Schweiz

Die Schaffung des Grenzsanitätsdienstes nach 1918 ist ein typisches Beispiel staatlicher Zentralisierung im Rahmen schweizerischer Möglichkeiten, denn erst die kriegs- und krisenbedingte Ausschaltung direktdemokratischer Abläufe ermöglichte es, staatliche Massnahmen zu ergreifen. Die neue Form der Kontrolle an der Grenze bot einen Machtzuwachs und gestattete den Behörden einen neuen Blick und Zugriff auf den menschlichen Körper. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie es möglich war, dass gegen Ende des Ersten Weltkriegs derart weitgehende Dispositive staatlicher Kontrolle und Macht durchgesetzt werden konnten. Die Beantwortung führt in ein komplexes Feld neuer geopolitischer Gegebenheiten, kollektiver Phobien antislawischer, antisemitischer und antisozialistischer Ausprägung sowie sich überlagernder medizinischer und populärwissenschaftlicher Diskurse.

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