Der Kaiman mit dem Senftopf. Tiere als historische Akteure?

Die Forderung nach Grund- oder gar Menschenrechten für (die grossen) Affen bringt eine Gewissheit ins Wanken, die historisch/kulturell allerdings ohnehin sehr viel brüchiger ist, als es zunächst scheinen mag: die eindeutige Grenze zwischen Mensch und Tier. Tierethische Fragen betreffen Recht und Philosophie, doch auch die Geschichtswissenschaft steht vor neuen Herausforderungen.

Im Vorwort zum Band "Tiere. Eine andere Anthropologie" schreiben die Herausgeber – unter ihnen Hartmut Böhme – von den "neuen gentechnischen Innovationen, die Biologie und Kultur in ungewohnte Nähe zueinander bringen". Daher sei die Frage, wie "sich der Mensch im Tier wiederzuerkennen glaubt, besonders brisant". Schon dieser Gedanke selbst demonstriert, dass das Verhältnis Mensch-Tier und damit die Grenze zwischen Menschen und Tieren einem historischen Wandel unterliegt. Genetische Erkenntnisse trennen Mensch und Tier in der Moderne in spezifischer Weise und bringen sie in skandalöser Weise einander nahe.

Ich möchte in meinem Beitrag aus Sicht der Geschichtswissenschaft zwei Fragen nachgehen: Haben Tiere Geschichte? Machen Tiere Geschichte? Dabei steht ausser Frage, dass Tiere in der Geschichte eine wichtige Rolle spielen, doch sind sie historische Subjekte/Akteure und kann dies ihre Position als Rechtssubjekte begründen helfen?

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