Einleitung

Grenzen trennen und verbinden, schliessen ein und aus. Angewandt auf Archive und Geschichte, speziell auf die zukünftige Überlieferungsbildung: Es gibt erstens eine mögliche Grenzziehung um Geschichte und Archiv ebenso wie zwischen Archiv und Geschichte. Es gibt zweitens nationale Grenzen – Nationalarchiv und Nationalgeschichte; es gibt drittens professionelle bzw. fachliche Grenzen, eine Abgrenzung der Archive zu Bibliotheken etc sowie den aktenbildenden Stellen. Es gibt viertens eine Grenze zwischen öffentlichen und pri-vaten Archiven. Dazu kommt fünftens die zeitliche Grenze zwischen dem Heute und dem im Archivgut bewahrten Gestern, vielleicht auch zwischen Gegenwart und Zukunft, in deren Dienst die Überlieferung für die potentielle Auswertung von Archivgut steht.

Ziel des Panels ist es, verschwundene, verschwindende, bestehende und mögliche Grenzen um und zwischen Archiv und Geschichte respektive Geschichtswissenschaft zu benennen, sie auf Sinn und Zweck zu untersuchen, um – mit gestärkter Identität – ein gegenseitiges Verständnis und einen respektvollen Umgang mit den gegenseitigen Eigenheiten und Interessen zu fördern. Wir hoffen, dass es auf diese Weise gelingt, eine rechtlich, gesellschafts- und wissenschaftspolitisch integrierte, also eine verantwortliche Überlieferungsbildung zu gewährleisten. Eine so verstandene Archivierung steht nicht im Dienste einer Geschichte, sondern der Geschichte als Auseinandersetzung mit Historizität, sowie eines gegenüber der Zukunft verantwortlichkeitsbewussten (Verwaltungs-) Handelns.

ReferentIn(en)