Grenzwerte und Gefahrstoffregulierung: Die Grenzen der Wissenschaft in der Schweiz, Deutschland und Frankreich im Vergleich (1950-1985)

Grenzwerte sind heute allgegenwärtig. Von Feinstaub über Ozon und Nikotin bis Lärm oder Buttergelb gibt es für fast jeden Stoff einen Grenzwert. Trotz ihrer Allgegenwärtigkeit im wissenschaftlichen und politischen Diskurs sind Grenzwerte eine historisch rezente Erfindung. Zunächst hatten Grenzwerte lange Zeit lediglich in der Mathematik eine Rolle gespielt. Im 19. Jahrhundert hielt die Rede von Grenzwerten dann auch in verschiedenen anderen Wissensfeldern Einzug, so seit den 1880er Jahren auch in der Arbeitsmedizin und in der Toxikologie.

Wissenschaftshistorisch interessant ist an Grenzwerten, dass sie ein zentraler Bestandteil einer "Chemopolitik" sind, die sich weite Bereiche der Wirtschaft und des Lebens technisch verfügbar macht. In der Chemieindustrie etwa legen sie als "Technische Richtkonzentrationen" fest, wie viel Krebs dem Bruttosozialprodukt zu opfern ist. Um die epistemischen und sozialen Besonderheiten dieser neuen Form von Regulierungswissen herauszuarbeiten, wird die Gefahrstoffregulierung in Deutschland, in der Schweiz und in Frankreich vergleichend betrachtet.

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