Datenbanken. Fragmentierung als Sinnstiftung

Moderne Bürokratien sind ab einer gewissen Grösse in Abteilungen mit unterschiedlichen Aufgaben gegliedert. Diese funktionale Differenzierung erlaubt es ihnen, eine hinreichende Binnenkomplexität zu entwickeln und damit eine höhere Verarbeitungskapazität zu erzielen. Die Leistungsfähigkeit einer Organisation hängt also davon ab, ob und wie sie mit Hilfe geeigneter Schnitte nach Sektionen aufgeteilt wird. Die jeweils geltenden departementspezifischen Aufmerksamkeitsmuster werden von den Divisionsgrenzen ebenso bestimmt, wie sich die Kommunikationsflüsse an ihnen auszurichten haben.

Unternehmenskulturen des ausgehenden 20. Jahrhunderts sind in dieser Komplexitätssteigerung noch einen Schritt weitergegangen und haben die durch Aufteilung erzielte institutionelle Binnenkomplexität mit organisatorischer Flexibilität zu kombinieren versucht. Boltanski und Chiapello sprechen in diesem Zusammenhang von der Projektförmigkeit spätkapitalistischer Unternehmenskulturen. Seit den späten 1970er Jahren hat man – oft auf Empfehlung von Unternehmensberatern – auch mit matrixförmigen Organisationsweisen experimentiert: Manager können ihre eigenen Positionen dadurch festigen, dass sie Strukturen (also erfahrungsgesättigte Erwartungen) jederzeit verändern und verflüssigen können. Dafür reichen kommunikative Schnittstellen an den Grenzen zwischen organisatorischen Einheiten nicht aus. Die Managementkultur des ausgehenden 20. Jahrhunderts ist darauf angewiesen, dass Daten quer zu den Schnitten erhoben, verglichen, aggregiert und ausgewertet werden können.

Der Beitrag diskutiert den Zusammenhang zwischen dem Aufstieg der betriebswissenschaftlich geschulten Managementkaste, dem "neuen Geist des Kapitalismus" und der Entwicklung relationaler Datenbankmanagementsysteme (DBMS), welche die für organisatorische Beweglichkeit notwendige informationelle Flexibilität zu erzeugen versprachen. Mithilfe von Datenbankmanagementsystemen konnten begründbare Entscheidungen auf die Rekombination tabellarisch fragmentierter Datensätze abgestützt werden.

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