Das Grenzen überschreitende Raumprogramm des Faschismus

Das faschistische Italien hat sich nie als klassischer Nationalstaat definiert, sondern von Beginn weg als nationale Grenzen überschreitendes Imperium. Die gewaltsame Errichtung einer imperialen Grossraumordnung im Mittelmeerraum, auf dem Balkan und in Afrika diente dem bevölkerungs- und sozialpolitischen Zweck, die herkömmliche Emigration zu verhindern und Millionen von Italienern ein neues Auskommen in Siedlungskolonien zu verschaffen. Im Referat wird thematisiert, wie Rom bei der Errichtung der imperialen Raumordnung in Italienisch-Ostafrika zwischen 1936 und 1941 konkret vorging. Drei Themen finden dabei besondere Berücksichtung: der Aufbau eines funktionstüchtigen Verkehrssystems, die symbolische Säuberung und nachhaltige Faschisierung des neuen "Lebensraums" und die urbanistische Umgestaltung ostafrikanischer Städte. Man muss von einer sehr radikalen Infrastrukturpolitik sprechen, in der die alte Welt des kaiserlichen Abessiniens nicht nur oberflächlich retuschiert, sondern radikal transformiert werden sollte.

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