Mumia – menschliche Körper als Arzneimittel in der Schweiz der frühen Neuzeit

Der menschliche Körper wurde ab dem ausgehenden Mittelalter in Europa legal als medizinischer Rohstoff zur Herstellung von Arzneimitteln gehandelt. Besonders beliebt war "mumia vera" – Überreste von ägyptischen Mumien. Auch in der Schweiz wurden die balsamierten Körperteile als Bestandteil von Universalheilmitteln erworben, verkauft und eingenommen. Medizinische und pharmakologische Quellen des 16. und 17. Jahrhunderts zeigen aber, dass es sich oft um gefälschte Ware handelt. Zeitgenössische Autoren debattierten, ob ägyptische "mumia" tatsächlich die beste sei oder ob sich nicht auch einbalsamierte Überreste von Hingerichteten vorzüglich als Medizin eigneten. Interessanterweise wurde in diesen Auseinandersetzung der Vorwurf des Kannibalismus fast vollständig ausgeblendet. Mit welchen Begriffen und Wertvorstellungen wurden in Arzneibüchern menschlichen Überreste "enthumanisiert", sodass sie letztlich als medizinische Ware in ökonomische Kategorien überführt werden können? Wann gelang diese Verwandlung, und wo drohte sie zu scheitern?

ReferentIn(en)