Organmangel, Kampf um wertvolle Organe und Ängste vor Organraub und Organhandel. Transplantationsmedizin in der Schweiz 1969-1996

Im Zuge der Etablierung der Transplantationsmedizin in der Schweiz wurden menschliche Organe zu einer wertvollen und stets knappen Bio-Ressource. Der Begriff des "Organmangels" entwickelte sich zum zentralen und wirkmächtigen Signifikanten im Diskurs über die Organtransplantation. Während die Ärzteschaft die Organbeschaffung zu optimieren versuchte, sorgte das grosse Bedürfnis der Transplantationsmedizin nach Organen in der Öffentlichkeit zunehmend für Unsicherheit und Unbehagen; beides manifestierte sich unter anderem in der Angst vor Organraub und Organhandel.

Das transplantierbare Organ markiert die Schnittstelle zwischen realen medizinischen, sozialen und wirtschaftlichen Praktiken sowie Diskursen, Metaphern und Fantasien.

Das vorgestellte Dissertationsprojekt analysiert die Praxis der Organbeschaffung, untersucht, wie die Grenze zwischen illegalem und legalem Zugriff auf Organe verhandelt und gezogen wurde, und beleuchtet die phantasmatischen Ängste rund um die Organbeschaffung, die vor allem in Medien und Populärkultur zum Ausdruck kamen.

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