Das ausländische Restaurant in der BRD als Interzone? Ander(e)s Essen als Überschreitung von nationalen und Körper-Grenzen

Das von MigrantInnen geführte ausländische Spezialitätenrestaurant, das sich als Knotenpunkt grenzüberschreitender Transfers von Nahrungsmitteln, Technologien, Informationen und auch Menschen definieren lässt, ermöglicht nicht nur die Vermischung unterschiedlicher Esskulturen, sondern auch alltägliche Formen der Interaktion zwischen Deutschen und AusländerInnen – keine Selbstverständlichkeit gerade in der frühen Bundesrepublik. In meinem Vortrag sollen die administrativen und ausländerrechtlichen Rahmenbedingungen für die Etablierung einer solchen Gaststätte, ihre Verankerung im städtischen Umfeld und ihre materielle Ausstattung und Ausgestaltung ebenso diskutiert werden wie die imaginären Dimensionen, die bei einem Besuch in einem ausländischen Spezialitätenlokal zum Tragen kommen. Prozesse der Exotisierung, der Ethnisierung und Selbst-Ethnisierung prägen diese Orte, die damit zu einem Feld der Aushandlung, aber auch Infragestellung nationaler und ethnischer, sozialer und kultureller Identitäten werden. Für den Verzehr fremder Speisen gilt zudem, dass Körpergrenzen überschritten werden und damit eine besonders intensive Form der Begegnung mit einem Anderen stattfindet. In diesem Zusammenhang wäre zu diskutieren, inwiefern sich nicht auch der Körper als interzone konzeptualisieren ließe.

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