Grenzgänger – Nomaden im Zarenreich

Nomaden achten bei ihren Wanderungen nicht auf Grenzen. Diese bittere Erfahrung machten zarische Beamte, nachdem sie mühsam das ab den 1860er Jahren von ihnen eroberte Zentralasien zu vermessen begannen. Nicht einmal Staatsgrenzen seien den Kasachen heilig, die ihr Vieh wie selbstverständlich auch auf chinesischem Boden weiden liessen. Bis zur russischen Eroberung hatten die Nomaden in flexiblen Herrschaftsräumen gelebt. Grenzen waren für sie jetzt eine neue Erscheinung. Das Referat erzählt von nomadischen und russischen Grenzgängern und ihren Grenzüberschreitungen. Dabei wird das Verhältnis zwischen den kasachischen und kirgisischen Nomaden zu den zarischen Beamten und Siedlern im Mittelpunkt stehen. Gefragt wird nach den kulturellen Grenzen zwischen sesshaften und nomadischen Völkern, nach individuellen Überschreitungen dieser unsichtbaren Linien und nach den Auswirkungen von Grenzziehung beziehungsweise Grenzüberschreitung in der Zeit von der Eroberung Zentralasiens durch russische Truppen bis zum Untergang des Zarenreichs 1917.

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