Die Schweizer Gewerkschaften und die Abstimmung über den EWR 1992

Nach der erfolgreichen Abstimmung über das Freihandelsabkommen 1972 war "Europa" in der Schweiz (fast) kein Thema mehr, auch nicht in den Gewerkschaften. Erst nach der Ankündigung des EG-Binnenmarktes belebte sich die Europadiskussion in der Schweiz wieder, und "als Delors [der Präsident der Kommission] am 17. Januar 1989 den EWR offerierte, war auch die Dringlichkeit da" – so der damalige SGB-Sekretär Beat Kappeler, der massgeblich zur innergewerkschaftlichen Diskussion über die EWR-Vorlage beigetragen hat. Diese war geprägt von Eu(ro)phorie einerseits, Skepsis andererseits. Die Befürworter wollten mit dem EWR nationale Blockaden in Politik und Gesellschaft lösen, während ein Teil der Basis aus Angst um ihren Arbeitsplatz die Forderung nach Flankierenden Massnahmen "avant la lettre" aufstellte. Im Gegensatz zur traditionell proeuropäischen Exportindustrie zeigten sich die Arbeitnehmer der Binnenbranchen – insbesondere auf dem Bau und im Gewerbe – skeptisch. Im Hinblick auf die spätere Entwicklung der Schweizer Europapolitik will ich innergewerkschaftlichen Diskussions- und Lernprozessen nachgehen, um einen Ausblick darauf zu geben, wie "Europa" für die Gewerkschaften nach der verlorenen EWR- Abstimmung und im Hinblick auf die Bilateralen Verhandlungen zum innenpolitischen "Hebel" werden konnte.

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