Vom Widerstand zur Wiedergutmachung? Das Thema "Schweiz - Zweiter Weltkrieg" im Geschichtsunterricht: eine wissenssoziologische Perspektive.

Im Jahr 2006 erschien das Geschichtslehrbuch "Hinschauen und Nachfragen. Die Schweiz und die Zeit des Nationalsozialismus im Licht aktueller Fragen". Es handelt sich um ein nicht-obligatorisches Lehrmittel für die Sekundarstufen I und II. Das Buch vermittelt zum einen Forschungsresultate der Unabhängigen Expertenkommission: Schweiz – Zweiter Weltkrieg (UEK). Zum anderen soll es Jugendliche bei der Erarbeitung eigener Deutungen und eigener Beurteilungen der schweizerischen Kriegsvergangenheit anleiten.

Im Rahmen eines Projektes über die "Wirkung von Geschichtslehrmitteln" an der Pädagogischen Hochschule FHNW untersuchen wir die Frage, wie Geschichtslehrpersonen die Geschichtsdeutungen und das didaktische Konzept des Buches für sich interpretieren und in ihrem Unterricht umsetzen. Hierfür rekonstruieren wir anhand von Interviews verschiedene Geschichtsverständnisse und berufliche Selbstverständnisse von Geschichtslehrpersonen unterschiedlichen Alters und Geschlechts. Bei ausgewählten Fällen beobachten wir den Einsatz des Lehrmittels in einer Unterrichtslektion. Dies erlaubt es uns, zu analysieren, wie verschiedene Lehrpersonen Deutungen und Didaktik des Lehrmittels in ihr Denken und in ihre Unterrichtspraxis integrieren. Damit bewegen wir uns entlang der Grenze zwischen geschichtswissenschaftlichen Vergangenheitsdeutungen und der Transformation solcher innerhalb des Praxisfelds "Schule".

Ziel der Analyse ist es, aufzuzeigen, wie die UEK-Deutungen des Themas "Schweiz - Zweiter Weltkrieg" im Prozess der didaktischen Aufbereitung im Lehrmittel sowie in der Unterrichtspraxis von Geschichtslehrpersonen genutzt, tradiert und transformiert werden. Da es im Lehrmittel zentral um das Thema der nationalen Identität der Schweiz geht, werden wir im Panel die Frage fokussieren, ob und auf welche Weise die Vermittlung von Wissen und Fähigkeiten im Geschichtsunterricht zur Transformation der nationalen Erinnerungskultur beitragen.

ReferentIn(en)