Simmental bis Spitzbergen: Albrecht von Haller als europäischer Vermittler traditionaler Ökonomie und agrarisch-ökonomischen Wissens

Albrecht von Hallers Interesse am alpinen Kulturraum war zum einen motiviert durch seine Kritik an den dekadenten Städtern, denen er die einfachen und naturnahen Hirten als Spiegel gegenüberstellte. In seinem Gedicht Die Alpen (1729) findet sich aber nicht nur dieses wirkungsmächtige Idealbild, das zahllose Touristen zu einer Reise ins Berner Oberland animierte. Ebenfalls darin angelegt waren Hallers Bemühungen um die Nutzbarmachung brachliegender Ressourcen im Rahmen einer übergreifenden Tendenz zur ‚Ökonomisierung der Natur’ (Günter Bayerl), die gerade auch periphere Räume zu erfassen begann. Von Simmental bis Spitzbergen inventarisierte man die regionalen naturräumlichen und kulturellen Ressourcen und tauschte diese Lokalbefunde europaweit aus. Für solche Transfervorgänge zwischen den verschiedenen ‚Landschaften agrarisch-ökonomischen Wissens’ (Marcus Popplow) war Albrecht von Haller mit seinem Korrespondenznetz, seiner Rezensententätigkeit und seiner aktiven Mitarbeit in der Oekonomischen Gesellschaft Bern eine Schlüsselfigur. Dabei lassen sich die Grenzen seiner Mittlertätigkeit im Verhältnis zwischen der traditionalen Ökonomie einerseits und dem wissenschaftlich-experimentellen Wissen der entstehenden Agronomie andererseits ausloten.

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