Arbeit an der Grenze: Matteo Ricci und die Jesuitenmission in China

Des jesuitische Gelehrte und Missionar Matteo Ricci (1552-1610) gilt als Begründer der modernen Chinamission und Vordenker eines neuen, bevorzugt in Asien erprobten Missionsansatzes – der Akkommodation. Ziel dieser Methode war es, durch die Überzeugungskraft westlicher Gelehrsamkeit und ganz erhebliche sprachliche, soziale und intellektuelle Anpassungsleistungen an die chinesische Kultur Zugang zur einheimischen Oberschicht zu finden. Dogmatische Einwände vonseiten konkurrierender katholischer Orden gegen eine allzu weitgehende Assimilation der Jesuiten auch an chinesische Glaubensvorstellungen führten jedoch zum sog. Ritenstreit, der diese bemerkenswerte missionspolitische Initiative im 18. Jahrhundert beendete. Die Jesuitenmission in China gilt heute als beispielhafte Episode europäisch-asiatischen Kulturaustauschs in der Frühen Neuzeit, unter anderem weil sie von Gegenseitigkeit geprägt war und sich nicht vor dem Hintergrund asymmetrischer Machtverhältnisse abspielte. Das Beispiel Matteo Riccis wirft einige Fragen auf: 1) nach den konkreten (persönlichen, sozialen, institutionellen) Voraussetzungen kultureller Verflechtung; 2) nach den Gründen für die Blockierung kulturellen Transfers; 3) nach möglichen Mustern von Grenzziehungen und erfolgreichen Grenzüberschreitungen zwischen Asien und Europa in vorkolonialer Zeit.

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