Die Öffentlichkeit der Geschichte im digitalen Zeitalter

Das Internet hat sich in den letzten Jahren signifikant verändert. Während der ersten Jahre war das World Wide Web im Wesentlichen ein neuer, dynamischer Distributionskanal von Informationen – auch von historischen. Seit ca. 2005 aber nimmt das WWW immer mehr die Züge eines sozialen Mediums ("Web 2.0") an.

Web 2.0 bedeuet, dass Interaktion und Partizipation eine neue, verstärkte Bedetung erhalten und der von den Benutzern beigetragene Inhalt die Erscheinungsweise von Web 2.0-Projekten wesentlich mitbestimmen. So schreiben zum Beispiel in der Online-Enzykolpädie Wikipedia Laien historische Beiträge, arbeiten im Netz Geschichtsvereine kollaborativ über lokalhistorische Fragen und veröffentlichen staatliche Archive ihre digitalisierten Photographien auf Web-Plattformen, damit sie vom Publikum erschlossen werden.

Habermas beschrieb diesen Wandel kürzlich mit folgenden Worten: "Tatsächlich hat ja das Internet nicht nur neugierige Surfer hervorgebracht, sondern auch die historisch versunkene Gestalt eines egalitären Publikums von schreibenden und lesenden Konversationsteilnehmern und Briefpartnern wiederbelebt."

Damit stellt sich die Frage, welche Auswirkungen der aktuelle Wandel im Netz für die Geschichtswissenschaften mit sich bringen wird. Im Mittelpunkt steht dabei die aktuelle Grenzverschiebung zwischen historischem Fachdiskurs und öffentlichem Diskurs über Geschichte: Wie verändert sich die Rolle der akademischen Geschichtsschreibung mit seinem vorwiegend innerwissenschaftlichen Zielpublikum auf dem gesamten "Geschichtsmarkt" (Dieter Langewiesche)? Welche Rolle spielen nicht-akademische Geschichtsforscher in der Zukunft? Und wie ändern sich durch diesen Wandel Reputation, Legitimation und Kommunikation der akademischen Geschichtsforschung?

ReferentIn(en)