Public History. Eine Bestandesaufnahme

Die Omnipräsenz von Geschichte im öffentlich-medialen Raum hat in jüngster Zeit zu einem verstärkten Interesse an der – dem amerikanischen Sprachgebrauch folgend – nun häufiger als Public History bezeichneten Geschichtsproduktion geführt. Sie wird beobachtet, kategorisiert, vermessen, wobei es die AutorInnen für angebracht halten, auffallend deutlich ihre grundsätzliche Sympathie und Wertschätzung zu betonen und sich explizit von einer abschätzigen Betrachtung zu distanzieren. Auffallend ist aber auch, dass der Betrachtung der ‚Anderen’ – etwa Journalistinnen, TV-Autoren oder Romanautoren – mit einer ethnographischen Distanz zu Leibe gerückt wird, die nicht bloss erkenntnisfördernde Distanz schafft, sondern auch die – seit jeher fragliche – Grenze zwischen ‚akademischer’ und nicht-akademischer Geschichtsrepräsentation fortwährend neu befestigt. Der Blick in die Gebräuche der ‚Anderen’ entdeckt verlockende und faszinierende Methoden, und übt sich zugleich im Widerstehen für die eigene Praxis. Besonders häufig heftet sich der lustvolle Blicks und die standhafte Abwehr auf drei Arbeitsweisen, die alle als genuin durch das "Medium" erfordert gelten: die "Emotionalisierung", die "Personalisierung" und die "Dramatisierung". Was unter diesen Begriffen als zugleich problematisch wie publikumswirksam identifiziert wird, sind indessen nichts weniger als Grundprobleme historischer Repräsentation: Gefühle, persönlicher Erfahrungshintergrund und narrative Strukturen sind Dinge, die zum Leben gehören und von denen sich eine akademische Geschichtsschreibung nicht unbeschadet lossagen kann. Der Vortrag gibt einen Einblick in die aktuellen freundnachbarschaftlichen ‚Grenzbetrachtungen’ im deutschen Sprachraum und fragt nach dem Potenzial der Methoden der ‚Anderen’.

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